Fernweh

Gepostet am Aktualisiert am

Sabine Olschner lädt in ihrem schönen Reise-Blog „Ferngeweht“ ein, über das Fernweh nachzudenken. Und ich muss sofort schreiben. Das Wort „Fernweh“ zieht mich magisch an.

Denn Fernweh scheint irgendwie mit meinem Körper verwoben. Ich hatte immer Fernweh.  Schon als Kind sehnte ich mich nach Meer, Weite und Abenteuer. Fernweh – das war die Lust auf die große weite Welt. Ich habe die Urlaube mit meiner Familie geliebt, bin schon als 11-Jährige begeistert in dreiwöchige Kinderlager nach Ameland gefahren und war später mit Freund, Freundinnen und Rucksack in Europa unterwegs. Reisen ist für mich Freiheit. Die Welt entdecken, dem Lebensdrang folgen und jeden Moment mit allen Sinnen genießen. Und dabei keinen einzigen Gedanken an den Alltag daheim verschwenden.

Und das ist Fernweh für mich heute noch – die Sehnsucht nach diesem Lebensgefühl beim Reisen. Nur muss es nicht mehr weit weg sein. Das kann überall sein. Ob auf einem heimischen Wanderweg, in einer quirligen Großstadt oder an einem Seeufer. Ich kann stundenlang sitzen und wandern und schauen und mich selbst dabei vergessen. Einer meiner liebsten Dinge ist, mich allein in einen Bus zu setzen, dessen Route ich nicht kenne. Ich sehe aus dem Fenster, nehme die Welt in mich auf, steige aus, wo es mir gefällt und laufe meiner Nase hinterher. In Berlin oder Paris etwa macht das großen Spaß. Immer folge ich den Gerüchen der Stadt und entdecke Plätze und Menschen, die ich sonst nie gefunden hätte. Oft führt es mich an Flüsse. Wasser hat diesen eigentümlichen Geruch, ist in jeder Stadt anders. Es führt mich an der Nase herum.

Auf großen Reisen achte ich am liebsten auf mein Bauchgefühl, aber das ist ein Luxus, den ich mir nicht oft leisten kann. Es braucht sehr viel Zeit. Nach dem Studium bin ich auf diese Weise allein und drei Monate lang mit wenig Geld und Rucksack durch die USA gereist. Von Ost nach West war meine einzige Vorgabe. Nie werde ich dieses Freiheitsgefühl vergessen, aufzustehen, meine ganze Habe zu schultern – und dann mal zu schauen, wohin mich meine Reise heute trägt.

Heute werde ich nicht mehr so oft von Fernweh geplagt. Ich habe mehrere Jahre in Paris und Kalifornien gelebt. Ich kenne das, wenn Fernweh sich erst in Alltag und schließlich in Heimweh verwandelt. Vielleicht ist mein Fernweh deshalb milder geworden. Aber da ist es immer noch. Und wenn es mich packt, dann plane ich eine Reise. Manchmal nur eine kleine, für einen Tag oder ein Wochenende.  Mit lieben Menschen oder auch allein, am liebsten Monate vorher. Damit ich viel Zeit zum Vorfreuen habe. Auf das Dasein und das Genießen. Darauf, nur ich selbst zu sein.

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2 Gedanken zu „Fernweh

    Sabine sagte:
    17. Oktober 2014 um 14:51

    Vielen lieben Dank für diesen schönen Beitrag zu meiner Blogparade! Mein Lieblingssatz: „Ich kenne das, wenn Fernweh sich erst in Alltag und schließlich in Heimweh verwandelt.“ Das merke ich manchmal schon nach einer längeren Reise: dass es auch schön ist, nach den vielen Erlebnissen wieder im vertrauten Zuhause anzukommen …

      ulrikehartmann geantwortet:
      17. Oktober 2014 um 15:01

      Ich habe zu danken. Was für ein schönes Thema! Und ja, home sweet home ist auch nicht zu verachten. 🙂

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