Frauen

Buchtipp: Silke Naun-Bates – Mein Weg in die Freiheit

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Ich habe eine Frau im Fernsehen wiederentdeckt, die ich durch die Grundschule kenne und die jetzt ein Buch über ihre Lebensgeschichte geschrieben hat. Diese Frau hat das Glück zu ihrem Beruf gemacht und ist heute unter anderem Coach. Ihr Motto „Glücklichsein ist eine Wahl“.  Und sie weiß genau, wovon sie spricht.

Silke Naun-Bates

 

Silke Naun-Bates ist mit 8 Jahren unter einen Güterzug gekommen und hat beide Beine verloren. Sie war schon vor dem Unfall ein außergewöhnlich sportliches Mädchen. Ich werde nie vergessen, wie ich sie als Kind nach dem Unfall besucht habe und sie auf den Händen die Treppe hochgelaufen ist, den Oberkörper elegant gehoben. Sie ist immer noch sehr sportlich. Und sie hat gegen den Rat der Ärzte zwei Kinder geboren. Eine außergewöhnlich starke Frau. Und dabei so nett und natürlich, so offen und voller Lebenslust. Ich habe vor einigen Jahren mit ihr telefoniert und war tief beeindruckt. Da ist nichts vorgeschoben. Sie hat ihr Leben vollkommen akzeptiert. Und genau das gibt ihr die Freiheit, ihr Leben zu genießen. Jetzt hilft sie als Coach und Autorin Menschen, ihren eigenen Weg und ihr Glück zu finden.

Ihre Biographie ist anders als alle Biographien, die ich jemals gelesen habe.  „Mein Weg in die Freiheit“ ist nicht nur sehr persönlich, sondern umgeht alle gängigen Formen. Chronologie spielt für Silke kaum eine Rolle. Ihr sind Themen wichtig. Und so erzählt sie ihre Lebensgeschichte genau so, wie sie es gerne erzählen möchte, schnörkellos, ja, geradezu nüchtern, unterstützt durch Gedanken in Gedichtform. Ich konnte ihr Buch nicht aus den Händen legen. Hier schreibt eine Frau, die in ihrem Leben so viele schmerzliche Erfahrungen gemacht hat – auch durch den Tod geliebter Menschen -, dass es nahezu an ein Wunder grenzt, wie glücklich sie heute ist. Aber auch nur nahezu. Denn „Glücklichsein eine Wahl“, das ist Silke Naun-Bates Überzeugung. Behinderung entsteht, wenn ich das, was ist, als Mangel empfinde. In dem Augenblick aber, in dem ich aufhöre gegen meine Situation zu kämpfen, bin ich frei, mein Glück zu finden.

»Mein tiefer Wunsch ist es, dass jeder Mensch erkennt, dass wir freie Wesen sind mit dem Geburtsrecht, glücklich zu sein – vollkommen unabhängig von unserer Herkunft, unserem Glauben, unseren Konditionierungen und Erlebnissen der Vergangenheit.«

 

Silke Naun-Bates: Mein Weg in die Freiheit

Sheema Medien, Hardcover
200 Seiten
ISBN 978-3-931560-45-4
€ 15,99

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Hier geht es zur Verlagsseite des Buches: Sheema Medien

Hier ein kurzer Film des ZDF über Silke Naun-Bates: Mensch – das Magazin

Und hier die Website von Silke Naun-Bates: http://silkenaunbates.com/

 

 

Buchtipp: Eveline Hall – Ich steig aus und mach ´ne eigene Show

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Eveline Hall ist ohne Frage eine faszinierende Persönlichkeit. Vielleicht haben Sie sie schon in der ein oder anderen Talkshow gesehen, denn Models, die 1945 geboren sind und diese umwerfend weibliche Ausstrahlung haben, sind überaus rar. Sie sei „eine Zumutung für all die Gespachtelten, Gebotoxten und Gefacelifteten“, so Markus Lanz, ein Prominenter unter vielen, der sich über Eveline Hall geäußert hat. Für alle anderen, so Lanz, sei sie „ein Segen“.

In der Tat ist es überaus wohltuend, auf einem Werbefoto ein Gesicht zu erblicken, das sein Alter zeigen darf und nicht künstlich geglättet daher kommt. Ich habe lange überlegt, was mich aber am meisten an dieser Frau und ihrem Buch fasziniert. Es sind bestimmt ihre Ausstrahlung und ihre Warmherzigkeit, aber vor allem sind es ihre unbändige Lebensfreude und ihre Kraft, immer wieder neu anzufangen und sich nicht durch das Alter und durch Niederlagen beirren zu lassen, die mich beeindrucken.

Eveline Hall, aufgewachsen im Nachkriegsdeutschland, hatte ein bewegtes Leben, war Ballerina an der Hamburger Staatsoper, Showgirl in Las Vegas und arbeitete als Schauspielerin am Hamburger Thalia Theater. Viele bekannte Persönlichkeiten kreuzten ihren Weg, – von Frank Sinatra über Elvis Presley und Rolf Liebermann, um hier nur einige wenige zu nennen. Erst mit Mitte 60 kam sie zum Modeln, und sie macht ihren Job augenscheinlich mit viel Herzblut und Begeisterung. Für Eveline Hall spielt das Alter schlichtweg keine Rolle. Eben so wenig wie Denkmuster und Schubladen. „Ich war ein einsames, glückliches Kind.“ Einer der Sätze im Buch, die nachdenklich machen.

Das Buch ist lesenswert, auch wenn die ein oder andere Besetzungsfrage in der Oper nicht jede/n interessieren dürfte. Es ist die Art, die Dinge zu betrachten, diese Wandelbarkeit, die auch im Alter nicht Halt machen muss. Das kann Jüngere ermutigen. Und genau dies ist Halls Anliegen: „Habt keine Angst! Vor euch liegt ein Abenteuer, das es auszukosten gilt. “

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Eveline Hall: Ich steig aus und mach´ne eigene Show. Mit Hiltrud Bontrup und Kirsten Gleinig. Gebundene Ausgabe, 238 Seiten, EUR 19,95

Und hier geht es zur Verlagsseite von Eveline Hall:

http://www.edel.com/de/buch/release/eveline-hall/ich-steig-aus-und-mach-ne-eigene-show/

Buchtipp: Leymah R. Gbowee – Wir sind die Macht

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Im August diesen Jahres erschien die bemerkenswerte Autobiographie der Friedensnobelpreisträgerin Leymah R. Gbowee. Gbowee ist das Herz und der Kopf der afrikanischen Frauenfriedensbewegung. Ihr Buch entstand unter Mitarbeit der New Yorker Journalistin Carol Mithers und ist in jeder Hinsicht lesenswert.

Gbowee erzählt in einer klaren Sprache von ihrem Leben. Mit 17 Jahren ist sie eine junge schöne Frau, die Medizin studieren will und ein unbeschwertes Leben führt. Mit Einbruch des Bürgerkriegs verliert sie alles. Sie muss nicht nur mit den Greueln des Krieges leben, sondern verliebt sich in den Falschen und landet in einer gewaltvollen, demütigenden Ehe. Sie liegt im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder am Boden. Ihre vier Kinder sind ihr Trost und Fessel zugleich. Sie kann sich selbst nur noch hassen.

Wie Gbowee sich aus dieser verzweifelten Frau in die charismatische Anführerin der Frauenfriedensbewegung entwickelt, ist ergreifend zu lesen. Das Buch ist kein Kriegsbuch im herkömmlichen Sinne. Gewalt wird nicht Anschauungsobjekt, sondern bleibt bei aller Tragik bei dieser Autobiographie weitgehend im Hintergrund. Es geht um die Kraft der Frauen und was sie zu bewegen vermag. Gbowee erzählt, wie Christinnen und Musliminnen sich solidarisieren und zusammen für Frieden kämpfen, aber auch von den vielen Schwierigkeiten mit der Regierung und auch unter den Frauen. Und „Wir sind die Macht“ zeigt auf eindrückliche Weise, wie sehr wir auch als Einzelne Einfluss nehmen können.

 

Leymah R. Gbowee: Wir sind die Macht: Die bewegende Autobiographie der Friedensnobelpreisträgerin.

Unter Mitarbeit von Carol Mithers, aus dem Amerikanischen von Susanne Held

Klett-Cotta, 1. Aufl. 2012, 319 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil mit 9 Farbabbildungen

ISBN: 978-3-608-94739-7

EUR 21,95

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Und hier geht es zur Verlagsseite:

http://www.klett-cotta.de/buch/Gesellschaft_/_Politik/Wir_sind_die_Macht/26913

Und hier geht es zu einem kurzen Film auf  3sat, der das Leben der Friedensnobelpreisträgerin kurz umreißt:

http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=32892

Mütterpower

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In der letzten Zeit ist alles sehr hektisch. Geht Ihnen das auch so? Zum Ende des Jahres müssen noch dies und das und tausend andere Sachen erledigt werden. Ach. Ich freue mich auf die Weihnachtsferien. Obwohl – dieser November ist so sonnig und hell, eine echte Adventsstimmung will sich bei mir noch nicht so recht einstellen.

Ein unbedingter Höhepunkt für mich war aber die Reise nach Königstein letzte Woche, wo ich eine Lesung mit Diskussion zu meinem Buch „Mutterschuldgefühl“ hatte. Ich bin beeindruckt, wie offen und engagiert die Frauen diskutierten und von ihren persönlichen Erfahrungen berichteten. Da saßen wir 25 Frauen und redeten fast 2,5 Stunden über einschüchternde Idealbilder, über erdrückende Anforderungen, Ängste, Unsicherheiten, Vergleiche zwischen Kindern, gesellschaftliche Systeme und die Beziehungen zwischen Müttern. Ich habe die 70er Jahre, in denen die Feminismus-Debatten häufig geführt wurden, nicht als Frau erlebt, aber ich stelle mir sie so ähnlich vor wie die Gesprächsrunde, die wir an diesem Abend hatten. So einen fruchtbaren, respektvollen und anregenden Kreis von Frauen hätte ich mir so gewünscht, als ich gerade Mutter wurde. Das hätte vieles ungemein erleichtert. Da war echte Frauenpower zu spüren und der unbedingte Wille, sich nicht unterbuttern zu lassen. Da war der Gedanke, dass jede Mutter und jedes Kind anders ist und jede/r das Recht hat, anders zu sein. Und das Gefühl wurde lebendig, dass wir voneinander nur lernen können und dass wir auf uns vertrauen können.

Mir hat der Abend und auch die Gespräche nach der Veranstaltung viel Spaß und mich auch sehr nachdenklich gemacht. Es sind so viele Mütter, die sich einschüchtern lassen. Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen – dann entsteht eine Kraft, die uns weit trägt.

1. Geburtstag

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Heute vor einem Jahr habe ich angefangen, auf Brigitte woman als Popcorn zu bloggen. Ich hatte mir meine Schreibe als hübsche kleine Recycling-Anlage für Gefühle aller Art gedacht. Alles was mich ärgert und freut wollte ich auf meinem Schreibtisch verbraten. Das schien mir ein gutes Konzept. Wenn ich mich Sensibelchen schon oft aufrege, dann kann ich es ja auch mal für etwas Konstruktives benutzen.

Ist der Plan für mich aufgegangen?

Ich muss feststellen, dass ich mich heute viel weniger ärgere als früher. Egal, was passiert, ich sehe sofort einen Text dazu. Das macht das Leben so viel leichter. Nicht immer landet das Geschriebene hier, denn nicht immer würde das anderen Spaß machen. Aber so habe ich den Aufregern des Tages eine sehr praktische Seite abgewinnen können. Ich habe das Beste aus ihnen gemacht. Und interessanterweise braucht es offenbar dadurch inzwischen schon mehr als früher, um mich in zornige Wallung zu bringen oder tief zu verletzen.

Was ich aber auch festgestellt habe (und deswegen schreibe ich das heute hier): Ich habe durch diese Herangehensweise an den Ärger langsam aber sicher ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wo ich wirklich zu sensibel reagiere und wo ich das eigentlich gar nicht tue. Im Gegenteil: Manchmal sind meine Gefühle eigentlich sehr gesunde Reaktionen auf Übergriffe (ich liebe dieses Wort  – es ist so schön bildlich), welcher Art die auch seien. Manche Menschen sind einfach unhöflich, unaufmerksam, schlecht gelaunt, missgünstig, rücksichtslos, ausbeutend, unverschämt oder schlicht unglücklich – und das hat mit mir im Prinzip gar nichts zu tun. Dieser Gedanke erleichtert mich sehr.  Nicht ich bin immer die Empfindliche oder diejenige, die sich falsch verhält und Reaktionen provoziert , sondern manchmal haben die anderen schlicht ein Problem mit sich selbst und ihrem Leben. Und ob ich mich da kümmern muss – und sei es nur in der Form des Ärgerns – ist überhaupt nicht gesagt. Ich kann es auch einfach nur bemerken – und dann an mir vorbeiziehen lassen. Das klappt immer häufiger irgendwie ganz gut.

Das finde ich sehr spannend. Ich bin neugierig, wie weit ich das üben kann.

Da ich glaube, dass viele Frauen eher an sich selbst zweifeln als an anderen, gebe ich dieses Ergebnis meiner Recycling-Anlage zum 1. Geburtstag mal weiter. Vielleicht ist das ja für die ein oder andere noch neu und ein kleines Geschenk…

Ein Nebeneffekt meiner neuen Gelassenheit ist natürlich, dass mir nicht mehr jeden Tag tausend ärgerliche Dinge einfallen, über die ich spontan bloggen könnte.

Aber es gibt ja noch genug andere. Das steht schon mal fest! 🙂

Junge Frau

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Auf Brigitte woman gibt es heute einen Test „Wirken Sie älter oder jünger?“ http://woman.brigitte.de/leben-lieben/psychologie/ , und ich wirke offenbar genauso alt wie ich bin. Gut so. Denn das passt genau zu dem Blog, das mir heute am Herzen lag:

Geht Ihnen das auch so? In der letzten Zeit nennen mich so viele Menschen „junge Frau“. Sie wissen schon, bei Verkäufern in Geschäften und an Ständen auf dem Markt. Solche Gelegenheiten. Ich weiß nicht, ob mir das jetzt mehr auffällt als früher, als ich noch jung war, oder ob es tatsächlich gehäuft auftritt, aber es fängt an mich zu ärgern. Ich fühle mich nicht so richtig ernst genommen.

Wollen die mich veräppeln? Glauben sie, charmant zu sein? Ich sehe da so ein Lächeln und frage mich, ob die lächeln, weil sie genau wissen, dass ich  nicht mehr jung bin, mich aber aus verkaufstechnischen Gründen bestechen wollen. Aber warum sollte ich mich durch „jung“ geschmeichelt fühlen? So „jung“ ohne irgend etwas anderes als Frau dahinter? Ich bin nämlich durchaus der Meinung, dass jung nicht unbedingt besser ist als älter ist oder alt. Nur anders. Nicht von vorneherein schöner, nicht klüger, nicht gesünder, nicht leichter, und deshalb auch nicht unbedingt erstrebenswerter. Das kann natürlich alles sein, muss aber nicht.

Klar, manchmal beneide ich die Jugend schon um ihre schöne Haut, die Kraft, die Freude und all die Zukunft, die sie noch gestalten wollen. Aber dann fällt mir wieder ein, wie viel ich schon über das Leben und die Menschen gelernt habe und wie viel leichter mir das macht, mein Leben zu genießen und mich selbst zu akzeptieren wie ich bin.

Also, wenn schon irgendwelche blumigen Ansprachen, dann doch bitte „schöne Frau“!  Schön kann man schließlich in jedem Alter sein, so richtig jung irgendwie eher nicht. Dann fällt der Schwindel nicht ganz so auf…