Zeitgeschehen

Buchtipp – Biggi Mestmäcker: Wir sehen alle denselben Mond

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Stellen Sie sich vor, Sie gehen regelmäßig zu geselligen Kochabenden mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Stellen Sie sich außerdem vor, Sie lernen einen sympathischen Menschen kennen, der unter großer Gefahr seine Heimat verlassen und Frau und Sohn zurücklassen musste, um einen sicheren Ort für die Familie zu suchen.

Was würden Sie tun? Mitgefühl zeigen? Hilfe im Alltag anbieten?

Biggi Mestmäcker hat all dies getan und noch viel mehr. Denn als die Mutter zweier erwachsener Töchter über Wochen erlebt, wie sehr der immer höfliche, hilfsbereite Elias Alkhory aus Syrien unter der Trennung von seiner Familie leidet, nimmt sie ihn kurzerhand in ihrer Familie  auf und unterstützt ihn tatkräftig bei seinem Asylantrag und den Bemühungen, seine Familie nachzuholen. Was sie und Elias aber nicht ahnen – die Hürden der deutschen Bürokratie sind unermesslich hoch. Monat um Monat gehen ins Land, bevor Elias überhaupt von den Behörden hört. Und ein Termin in der Deutschen Botschaft ist Jahre entfernt…

Dieses Buch fesselt. Nicht nur, weil es diese außergewöhnliche Freundschaft zwischen Biggi, Elias und ihren Familien beschreibt, oder weil es zur Hälfte auf Deutsch, zur Hälfte auf Arabisch geschrieben ist, sondern weil es die ganze Härte offenlegt, der geflüchtete Menschen in Deutschland ausgesetzt sind, auch wenn sie anerkannte Flüchtlinge sind und ein Anrecht auf Familienzusammenführung haben. Denn eine solche Zusammenführung scheint für Elias und seine Familie unmöglich. Er verliert zunehmend den Mut, aber Biggi kämpft mit ganzer Kraft und schließlich weltweit für eine glückliche Familienzusammenführung in Deutschland…

Biggi Mestmäcker ist Texterin und versteht ihr Handwerk. Offen und klar erzählt sie von dem, was geschehen ist – und ihre Geschichte ist ungeheuer berührend. Ein Buch über Hoffnung und wahrhaft gelebte Menschlichkeit – angesichts des bürokratischen Wahnsinns, dem Flüchtlinge in Deutschland ausgesetzt sind.

 

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Biggi Mestmäcker, Nadine Reitz (Illustratorin), Hazem Hadidi, Zachary Mustafa, Yaman Naal (Übersetzer): Wir sehen alle denselben Mond

tredition, 256 Seiten, EUR 12,90, erschienen 9.6.2917

ISBN: 978-3743927889

 

Zu kaufen im Buchhandel, auch als Ebook online oder als Hardcover unter anderem auch hier:

https://tredition.de/autoren/biggi-mestmaecker-20015/wir-sehen-alle-denselben-mond-hardcover-92834/

 

 

 

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Dachdecker-Burschen

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„Hallo, Frau Hartmann“, sagt er. Er ist jung, gebräunt wie ein Bergsteiger und begleitet von einem älteren Kollegen. Sie sind gut gelaunt. Die Zeit großer Stürme ist die Zeit glücklicher Dachdecker. „Schön, dass Sie da sind. Wir konnten leider nicht vorher anrufen. Die vielen Aufträge…“

Ja, ja, ich weiß. Ich nicke verständnisvoll, fasele Small talk-Zeugs und überlege laut, wie sie jetzt aufs Dach kommen. Mit der Leiter? Wohl kaum im vierten Stock?

„Nein, lieber durch die Wohnung.“ Und kaum habe ich die Tür zur Dachgeschosswohnung meines Nachbarn geöffnet, haben sie die Ausstiegsluke  schon gefunden – das Fenster der Abstellkammer. Für mich sieht es aus wie ein Fenster mit viel Himmel mit Aussicht auf Nachbarn und rund herum gar nichts. Ganz unten der Asphalt. Bäume gibt es nicht mehr.

„Sie wollen DA hinaus?“ Ich schnappe nach Luft.

„Ja, klar!“

Sie lachen fröhlich.

Zack, Fenster auf, Bergsteiger-Dachdecker springt auf den Rahmen – und raus ist er in schwindelnder Höhe. Sein Kollege schaut mich grinsend an (ich stehe da wie die aufgeregte Ommi aus´m Fernsehen – Hand ans Herz gepresst und schwächelnd), ich sehe seine Arme den Rahmen greifen, die Füße tasten auf einem Wasserkasten herum – und schon ist er raus.

Ich stürze an den Fensterrahmen – weg sind sie. Über das Dach gepest, wer weiß, wohin. Die Fenster des Hauses gegenüber spiegeln nur den Himmel.

Ich schwöre – ich habe sie nie mehr wieder gesehen. Weg waren sie. Einfach so.

Diese Dachdecker-Burschen!

 

 

 

 

 

Menschenrechtspreis 2012: Gergishu Yohannes

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Am 8. September bekommt Gergishu Yohannes den Menschenrechtspreis 2012 von der Stiftung PRO ASYL, weil sie sich mit ganzer Kraft für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer einsetzt. Die Frau war früher selbst Flüchtling aus Eritrea. 2009 überlebten nur fünf Menschen eine furchtbaren Bootskatastrophe –  das Boot trieb  23 Tage lang im Kanal von Sizilien und 76 Flüchtlinge starben an Dehydrierung und Erschöpfung. Yohannes eigener Bruder war darunter. Seitdem kämpft Gergishu Yohannes für das Andenken der gestorbenen Flüchtlinge und für Gerechtigkeit. Sie verklagte mit anderen Angehörigen Italien wegen unterlassener Hilfeleistung und ist weit gereist, um mit den Überlebenden zu sprechen.

„Nach Angaben der fünf Überlebenden fuhren täglich mehrere Schiffe an ihnen vorbei, die sie hätten retten können.“, heißt es in der Presseerklärung. „Wochenlang telefonierte Gergishu Yohannes mit Behörden und Hilfsorganisationen auf der Suche nach Informationen über den Verbleib des Bootes. Doch obwohl die italienische und die maltesische Küstenwache den Aufenthaltsort des Bootes kannten, wurden die Flüchtlinge nicht gerettet.“

Yohannes brachte über 1300 Angehörige und Freunde der Toten in einer Interessengemeinschaft zusammen, um gegen den italienischen Staat zu klagen. Diejenigen, die nicht gerettet haben, werden jetzt zur Rechenschaft gezogen.

Die Schiffskatastrophe 2009 ist kein Einzelfall. Allein im Jahr 2011 kamen über 2000 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer ums Leben.

Die STIFTUNG PRO ASYL verleiht Gergishu Yohannes den Menschenrechtspreis am 8. September 2012  in Frankfurt am Main.

Ich gratuliere Gergishu Yohannes, von ganzem Herzen.

 

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Hier geht es zur Website von PRO ASYL:

http://www.proasyl.de/de/

Brombeer-EM

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Ich habe ja lange überlegt, ob ich etwas dazu sage. Schließlich bin ich keine Fußball-Expertin, aber – isset nich süß? Diese Brombeerfarbe mit Brokat-Tapetenmuster in den Stadien und in den Sendezentren? Dazu  dieses Blümchen-Logo, das immer wieder neckisch aufpoppt? Ein kleiner floraler Gruß in schönstem Grün, Rot, Gelb und Ocker? Der Fußball die Blüte, und links und rechts ein Blümchen dazu.

(Damit Sie verstehen, was ich meine und vielleicht gerade nicht im Bilde sind, verlinke ich mal ganz kurz zur UEFA.

http://de.uefa.com/uefaeuro/index.html)

Ist es nicht schön? Ab und an sieht man auch im Fernsehen diesen Torbogen, durch den die Spieler auf den Platz schreiten, leider auf der verlinkten Seite hier nicht zu sehen. Ich stelle mir die Details auf dem Bogen in etwa so vor wie diese phantasiereiche Ranke auf der linken Hälfte der UEFA-Website. Hübsch, nicht? Über und über ist die EM mit Blümchen übersät. Vielleicht sind es auf dem Torbogen wie auf der Hintergrundtapete auch nur kunstvolle Schlingen. Ich weiß es nicht genau. Es ist ja auch egal. Die Optik stimmt. Für jeden was dabei. Auf dem Spielfeld die harten Männer, drum herum ein verspieltes Ambiente.

Ich muss gestehen, ich bin überrascht. Ich hatte diese Entwicklung nicht mitbekommen. Vor ein paar Wochen hatten mich schon die rosa Fußballschuhe bei den Männern verblüfft. Jetzt erstaunt mich gar nichts mehr.

Fußball – EM. Das EM steht sicher auch für EManzipiert. Ich würde zu gern wissen, wer sich das ausgedacht hat. Aber nein, sagen Sie es mir nicht! Ich will mir meine Träume bewahren…

Unterstützen wir Debütautoren

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Die Internetplattform Lovelybooks hat jetzt eine schöne neue Idee entwickelt: Debütautoren werden mit ihren Romanen Monat für Monat ausführlich vorgestellt, Diskussionsrunden entstehen und der beste Debütroman 2012  wird gewählt. Mitmachen kann jede/r und es winkt sogar am Ende ein Literaturgewinn.

Bei tausenden von Neuerscheinungen jedes Jahr ist das eine tolle Chance für neue Autoren und Autorinnen, Publikum zu finden. Und wir Leser/innen entdecken so manches fesselnde Buch, das uns anders vielleicht entgangen wäre.

http://www.lovelybooks.de/debutautoren/

Spannende Themen und interessante Autoren und Autorinnen. Stöbern lohnt sich allemal.

Flüssigkeiten-Werbung

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Nein, mit „Flüssigkeiten-Werbung“ meine ich nicht Wein, Wodka, Whiskey oder sonstige belebende Getränke, sondern diese merkwürdigen Körperausscheidungen, die einem jetzt überall im Fernsehen entgegen springen.

Wissen Sie, was ich meine?

Da ist die lustige WC-Reiniger-Werbung, die uns teilhaben lässt an den üblen Farben und Sedimenten unserer Toilettenwelt. GUT, dass es kein Geruchsfernsehen gibt! Da ist das Nasenspray, das – wir sehen es genau! – uns vor den garstigen, fiesen Nasenschleim befreit, der gerade stinkig über den Bildschirm wabert. Da ist der Fußpilz, der – Animationstechnik sei Dank! – sich ausbreitet wie ein übles Geschwür und man seinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Und wenn wir Glück haben, dürfen wir auch noch der erschütternden Einflussnahme von suspekten Raumsprays beiwohnen, die ihren – per Augenbinde – erblindeten Gästen vorgaukeln, in einer regelrechten Frische-Oase zu sein. Während sie aber leider, leider in einem Sumpf ekliger Patina stecken. Würg. Ich will gar nicht wissen, wo die überhaupt herkommt.

Ich ahne Schlimmes – sie werden doch wohl nicht bei den anderen Ausscheidungen bald munter weitermachen? Diese „nicht mehr nachts müssen müssen“ ist mir auf einmal sehr lieb. Auch reicht es mir völlig, wenn eine Dame lustig auf und nieder hüpft, um die Auffangquote ihrer Hygiene-Artikel zu demonstrieren. Mehr will ich nicht wissen.

Ach, waren das noch Zeichen, als Kinder blutende Kniee im Fernsehen zeigen mussten, um den phänomenalen Erfolg eines Waschpulvers bei Blutflecken zu zeigen…

Toi. Toi. Toi. Ich drücke uns allen die Daumen, dass die Flüssigkeiten-Werbung wieder zu ihren Wurzeln findet!